Riester kündigen oder wechseln?

Kündigen kostet alle Zulagen und Steuervorteile und bringt oft weniger als eingezahlt. Es gibt drei Alternativen: beitragsfrei stellen, den Anbieter wechseln oder ab 2027 ins Altersvorsorgedepot übertragen. Der Rechner zeigt, was in deinem Fall am meisten übrig lässt.

Lesezeit etwa 8 MinutenKeine Anlageberatung

Die kurze Antwort

Kündige nicht. Stell den Vertrag beitragsfrei, wenn du nicht weiterzahlen willst, und übertrage das Guthaben ab 2027 in ein Altersvorsorgedepot mit ETFs und niedrigen Kosten. So behältst du Zulagen und Steuervorteile, verlierst nur die Garantie und gewinnst Rendite. Kündigen lohnt sich nur, wenn du das Geld sofort brauchst oder der Vertrag so neu ist, dass kaum Förderung drinsteckt.

Was in deinem Fall mehr übrig lässt

Trag Guthaben, Zulagen und Restlaufzeit ein. Der Rechner vergleicht Kündigen, Ruhen lassen und Übertragen vor Steuern in der Auszahlphase.

Kündigen, ruhen lassen oder übertragen?

Steht in der jährlichen Standmitteilung.
Summe aus den Standmitteilungen oder beim Anbieter erfragen.
Erstattungen aus dem Sonderausgabenabzug über die Zulagen hinaus. Im Zweifel 0.
Bei klassischen Rentenversicherungen oft 1 bis 3 %, bei Fondssparplänen mit Garantie 2 bis 4 %.

Beste Option in deinem Fall

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  • Kündigen: Rückzahlung von Zulagen und Steuervorteilen–
  • Kündigen: ausgezahlt wird nur–

Kündigen und frei anlegen

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Beitragsfrei ruhen lassen

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Ab 2027 ins Altersvorsorgedepot übertragen

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Der Übertrag bringt gegenüber der Kündigung etwa – mehr, weil Zulagen und Steuervorteile im Vertrag bleiben und mit angelegt werden.

Annahmen und Rechenweg
  • Kündigen gilt als schädliche Verwendung: Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden, der Rest wird frei angelegt (ohne Berücksichtigung der Steuer auf die Erträge im Vertrag und auf spätere Gewinne).
  • Ruhen lassen: Das Guthaben wächst mit der angegebenen Rendite abzüglich Kosten weiter, keine neuen Beiträge, keine neuen Zulagen.
  • Übertragen: Das volle Guthaben wechselt ohne Rückzahlung ins Altersvorsorgedepot und wächst dort mit der angegebenen Rendite abzüglich Kosten. Übertragungskosten des alten Anbieters sind nicht eingerechnet.
  • Alle Varianten vor Steuern in der Auszahlungsphase; die nachgelagerte Besteuerung trifft Riester und Altersvorsorgedepot gleichermaßen.

Was eine Kündigung wirklich kostet

Riester ist ein Fördervertrag. Löst du ihn vor Rentenbeginn auf, gilt das als schädliche Verwendung. Dann fordert die Zentrale Zulagenstelle alle Grundzulagen, Kinderzulagen und den Berufseinsteigerbonus zurück, und das Finanzamt holt sich die Steuerermäßigungen aus dem Sonderausgabenabzug. Die Erträge, die im Vertrag entstanden sind, musst du mit deinem persönlichen Steuersatz versteuern. Freiwillig gesetzlich Krankenversicherte zahlen auf die Auszahlung außerdem Krankenkassenbeiträge.

Dazu kommt der Rückkaufswert. Versicherer verteilen Abschluss- und Vertriebskosten auf die ersten fünf Jahre, deshalb liegt das Guthaben junger Verträge oft unter den Einzahlungen. Gebühren werden nicht erstattet. Rechnest du Rückzahlung und Kosten zusammen, bleibt bei vielen Verträgen weniger als die Hälfte dessen, was du eingezahlt hast.

Ein Beispiel: 15.000 Euro Guthaben, davon 2.500 Euro Zulagen und 1.000 Euro Steuervorteile. Ausgezahlt werden 11.500 Euro, abzüglich Steuer auf die Erträge. Legst du die 11.500 Euro 25 Jahre mit 6 Prozent vor 0,3 Prozent Kosten an, kommen rund 46.000 Euro heraus. Überträgst du stattdessen die vollen 15.000 Euro ins Altersvorsorgedepot, sind es rund 60.000 Euro. Der Unterschied ist die Förderung, die weiterarbeitet.

Drei Alternativen zur Kündigung

Beitragsfrei stellen

Du zahlst nichts mehr ein, das Guthaben bleibt mit allen Zulagen im Vertrag und wächst nach den Vertragsbedingungen weiter. Keine Rückzahlung, keine Steuer. Nachteil: Die Verwaltungskosten laufen weiter, neue Zulagen gibt es nicht mehr. Meist jederzeit zum nächsten Monat möglich.

Anbieter wechseln

Übertragung des Guthabens auf einen anderen zertifizierten Riester-Vertrag, förderunschädlich. Der alte Anbieter darf höchstens 150 Euro verlangen, Garantie und Rechnungszins bleiben beim alten Vertrag. Seit 2027 keine neuen Riester-Verträge mehr, der Wechsel führt dann ins Altersvorsorgedepot.

Ab 2027 ins Altersvorsorgedepot übertragen

Das Guthaben wandert ohne Rückzahlung in ein Depot mit ETFs aus der Positivliste. Die Beitragsgarantie fällt weg, dafür steigen Renditechance und sinken die Kosten. Die Erklärung ist unwiderruflich und gilt für alle Altverträge. Mehr unter Riester übertragen.

So entscheidest du

Du brauchst das Geld jetzt dringend

Prüfe zuerst, ob ein Teil reicht: Für selbst genutztes Wohneigentum kannst du förderunschädlich ab 3.000 Euro entnehmen. Sonst ist die Kündigung der einzige Weg an das Geld, mit allen Abzügen. Hol vorher den Rückkaufswert und die Summe der Zulagen beim Anbieter ein.

Der Vertrag ist teuer, aber du willst für das Alter sparen

Beitragsfrei stellen und ab Januar 2027 ins Altersvorsorgedepot übertragen. Bis dahin die Sparrate in einen ETF-Sparplan lenken. Der Rechner oben zeigt den Unterschied zwischen Ruhen lassen und Übertragen.

Der Vertrag läuft gut und hat eine hohe Garantieverzinsung

Alte Rentenversicherungen mit 2,25 oder 2,75 Prozent Rechnungszins können sich lohnen, besonders kurz vor Rentenbeginn. Dann weiterführen oder beitragsfrei stellen, nicht übertragen.

Du bist kurz vor der Rente

Weniger als zehn Jahre Restlaufzeit sprechen gegen einen Wechsel, weil die ETF-Rendite wenig Zeit hat und die Garantie zu Rentenbeginn greift. Prüfen, ob eine Kleinbetragsrente abgefunden werden kann oder ob 30 Prozent Teilkapital zu Rentenbeginn reichen.

Sonderfälle: Wohn-Riester, Todesfall, Kleinbetragsrente

Wohn-Riester. Eine Entnahme für eine selbst genutzte Immobilie ist förderunschädlich, mindestens 3.000 Euro, Antrag bei der Zentralen Zulagenstelle. Das entnommene Geld wird auf einem Wohnförderkonto erfasst und im Alter nachgelagert besteuert; nach der Reform wird das Konto über fünf Jahre aufgelöst. Verkaufst oder vermietest du die Immobilie, ohne neu zu investieren, wird das als schädliche Verwendung behandelt.

Todesfall. Stirbt der Sparer, kann das Guthaben förderunschädlich auf einen Vertrag des Ehepartners übertragen werden. An andere Erben geht es nur mit Rückforderung der Förderung.

Kleinbetragsrente. Ergibt das Guthaben eine Monatsrente unter etwa 1 Prozent der Bezugsgröße, 2026 rund 40 Euro, darf der Anbieter zu Rentenbeginn auf einmal auszahlen, ohne dass Zulagen zurückgefordert werden.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn ich meinen Riester-Vertrag kündige?

Die Kündigung gilt als schädliche Verwendung. Du musst alle erhaltenen Zulagen und die Steuervorteile aus dem Sonderausgabenabzug zurückzahlen, die Erträge im Vertrag werden mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert, und der Pfändungsschutz entfällt. Ausgezahlt wird der Rückkaufswert abzüglich dieser Posten, bei jungen Verträgen oft weniger als eingezahlt.

Wie lang ist die Kündigungsfrist?

Das steht in deinem Vertrag. Üblich sind bei Versicherungen sechs Wochen zum Monatsende, bei Fonds- und Banksparplänen drei Monate zum Quartalsende. Die Beitragsfreistellung ist meist jederzeit zum nächsten Monat möglich.

Ist beitragsfrei stellen besser als kündigen?

Fast immer. Beim Beitragsfreistellen bleibt das Guthaben samt Zulagen im Vertrag und wächst weiter, nur neue Beiträge und neue Zulagen fallen weg. Du zahlst nichts zurück. Die Verwaltungskosten laufen allerdings weiter und zehren bei kleinen Guthaben an der Rendite.

Kann ich Riester ab 2027 ins Altersvorsorgedepot übertragen?

Ja. Du kannst dein Riester-Guthaben in ein zertifiziertes Altersvorsorgedepot übertragen, ohne Zulagen oder Steuervorteile zurückzuzahlen. Die Beitragsgarantie und ein eventueller Rechnungszins gehen dabei verloren, dafür bekommst du ETF-Rendite und niedrigere Kosten. Die Erklärung gilt unwiderruflich für alle deine Altverträge.

Lohnt sich die Kündigung, wenn der Vertrag schlecht ist?

Selten. Auch ein schlechter Vertrag enthält Zulagen, die du bei Kündigung verlierst. Besser ist meist, ihn beitragsfrei zu stellen oder ab 2027 ins Altersvorsorgedepot zu übertragen. Eine Kündigung kann sinnvoll sein, wenn du dringend Geld brauchst oder der Vertrag so jung ist, dass kaum Förderung drinsteckt.

Was ist mit Wohn-Riester?

Eine Entnahme ab 3.000 Euro für eine selbst genutzte Immobilie ist förderunschädlich und muss bei der Zentralen Zulagenstelle beantragt werden. Wer die Immobilie später verkauft oder vermietet, ohne neu zu investieren, löst die schädliche Verwendung aus. Riester-Bausparverträge gibt es ab 2027 nur noch im neuen System.

Was ist eine Kleinbetragsrente?

Liegt die monatliche Rente aus dem Vertrag unter etwa 1 Prozent der Bezugsgröße (2026 rund 40 Euro), darf der Anbieter das Guthaben zu Rentenbeginn auf einmal auszahlen, ohne dass Zulagen zurückgefordert werden. Das ist keine Kündigung, sondern eine Abfindung zu Beginn der Auszahlphase.