ETFs im Altersvorsorgedepot: Was erlaubt ist und worauf es ankommt
Ins Altersvorsorgedepot dürfen ETFs und Fonds nach OGAW-Regeln bis zur Risikoklasse 5, dazu offene Publikums-AIF, ELTIF und Euro-Staatsanleihen. Ein breit gestreuter Welt-ETF ist damit möglich. Hier steht, was die Positivliste genau erlaubt, wie das Standarddepot mit zwei ETFs funktioniert und nach welchen Kriterien du im freien Depot auswählst.
Die kurze Antwort
Erlaubt sind OGAW-Fonds und ETFs, offene Publikums-AIF und ELTIF, jeweils bis Risikoklasse 5 von 7, sowie Euro-Anleihen von Bund, Ländern, Gemeinden, Euro-Staaten und EU-Institutionen. Einzelaktien, Krypto, Zertifikate und Hebelprodukte bleiben draußen. Für die meisten reicht ein breit gestreuter Welt-ETF mit niedrigen Kosten. Ob er ausschüttet oder thesauriert, ist egal, weil die Ansparphase steuerfrei ist.
Die Positivliste: Was ins Depot darf
Das Gesetz zählt in einer Positivliste auf, was ein Altersvorsorgedepot enthalten darf. Erstens Investmentfonds und ETFs nach den europäischen OGAW-Regeln, also die übliche Form von Publikumsfonds. Zweitens offene Publikums-AIF, zum Beispiel offene Immobilienfonds. Drittens ELTIF, langfristige Fonds für Infrastruktur und nicht börsennotierte Unternehmen.
Für alle drei Gruppen gilt: höchstens Risikoklasse 5 auf der Skala von 1 bis 7. Diese Klasse (SRI) steht im Basisinformationsblatt jedes Fonds und misst vor allem die Schwankungsbreite. Breit gestreute Aktien-ETFs liegen nach den Basisinformationsblättern in der Regel darunter.
Dazu kommen Euro-Anleihen von Bund, Ländern, Gemeinden, anderen Euro-Staaten und EU-Institutionen. Alles andere ist im Umkehrschluss ausgeschlossen: Einzelaktien, Zertifikate, Kryptowährungen, Hebelprodukte und Fonds der Risikoklassen 6 und 7. Mehr dazu unter Was nicht ins Altersvorsorgedepot darf.
| Erlaubt | Nicht erlaubt |
|---|---|
| ETFs und Fonds nach OGAW-Regeln bis Risikoklasse 5 | Einzelaktien |
| Offene Publikums-AIF bis Risikoklasse 5 | Zertifikate |
| ELTIF bis Risikoklasse 5 | Kryptowährungen |
| Euro-Anleihen von Bund, Ländern, Gemeinden | Hebelprodukte, gehebelte ETFs |
| Euro-Anleihen anderer Euro-Staaten und EU-Institutionen | Fonds der Risikoklassen 6 und 7 |
Standarddepot: genau zwei ETFs und ein fester Fahrplan
Jeder Anbieter muss ein Standarddepot anbieten. Es besteht aus genau zwei OGAW-Fonds: einem defensiven mit Risikoklasse 1 oder 2, meist ein Anleihen-ETF, und einem offensiven mit Risikoklasse 3 bis 5, meist ein Welt-Aktien-ETF. Die Gewichtung legt der Anbieter fest, Trade Republic nennt zum Beispiel 90 zu 10.
Fünf Jahre vor der Auszahlung greift die gesetzliche Umschichtung: Der Aktienanteil darf dann höchstens 50 Prozent betragen, zwei Jahre vor der Auszahlung höchstens 30 Prozent. Der Anbieter schichtet automatisch um, du musst nichts tun. Die Effektivkosten sind auf 1,0 Prozent im Jahr gedeckelt.
Das Standarddepot passt, wenn du keine Lust auf Auswahl hast und einen Mechanismus willst, der das Risiko vor der Rente von selbst senkt. Wer bis zum Ende voll in Aktien bleiben möchte, braucht das freie Depot, dort gibt es keine Umschichtungspflicht.
| Zeitpunkt | Aktienanteil höchstens |
|---|---|
| Bis 5 Jahre vor Auszahlungsbeginn | vom Anbieter festgelegt, bis 100 % |
| 5 Jahre vor Auszahlungsbeginn | 50 % |
| 2 Jahre vor Auszahlungsbeginn | 30 % |
Worauf es bei der Auswahl ankommt
Im freien Depot wählst du selbst. Erstes Kriterium ist die Streuung. Ein ETF auf einen Weltindex wie den MSCI World, den MSCI ACWI oder den FTSE All-World enthält mehr als tausend Unternehmen aus vielen Ländern. Das reicht als Basis, Länder- oder Branchenwetten brauchst du nicht.
Zweites Kriterium sind die Kosten. Die laufenden Kosten (TER) der ETFs in den angekündigten Standarddepots liegen zwischen 0,07 und 0,15 Prozent im Jahr. Mehr muss ein Welt-ETF nicht kosten. Was 0,8 Prozentpunkte über 30 Jahre ausmachen, zeigt die Seite zu den Kosten.
Drittens Replikation und Fondsvolumen. Physisch replizierende ETFs halten die Aktien des Index tatsächlich, synthetische bilden ihn über Tauschgeschäfte nach; für ein Depot, das Jahrzehnte läuft, ist physisch die einfachere Wahl. Ein großes Fondsvolumen senkt das Risiko, dass der ETF geschlossen oder verschmolzen wird.
Ausschüttend oder thesaurierend ist im Altersvorsorgedepot egal. Im normalen Depot entscheidet diese Frage über Steuern und Sparerpauschbetrag, hier fallen in der Ansparphase weder Abgeltungsteuer noch Vorabpauschale an. Ausschüttungen bleiben ohnehin im Depot und werden wieder angelegt.
Was die Anbieter angekündigt haben
Trade Republic nennt mehrere Dutzend ETFs von BlackRock, DWS und Vanguard, die dauerhaft ohne Produktkosten laufen sollen, die Liste fehlt noch. Scalable Capital erlässt die ETF-Kosten im Standarddepot bis Ende 2027 und zahlt im freien Depot für ausgewählte ETFs einen „Rentenbonus“ zurück. Smartbroker+ stellt drei Welt-ETFs auf MSCI World, MSCI ACWI und FTSE All-World zur Wahl.
quirion baut sein Standarddepot aus zwei Vanguard-ETFs mit 0,07 und 0,08 Prozent Kosten. finanzen.net zero empfiehlt den hauseigenen ETF300 auf den MSCI World. flatex erstattet die Produktkosten fünf Jahre und deckelt sie danach bei 0,07 Prozent. ING und comdirect nennen für ihre Standarddepots jeweils zwei ETFs, ohne die Namen.
Deka setzt auf zwei eigene ETFs, Union Investment auf einen Welt-ETF und einen Renten-ETF. Welche Fonds es im Einzelnen sind, steht bei fast allen Anbietern erst zum Start fest. Die Übersicht mit Stand-Datum findest du im Anbieter-Vergleich.
| Anbieter | ETFs im Standarddepot | Produktkosten |
|---|---|---|
| Trade Republic | mehrere Dutzend ETFs (BlackRock, DWS, Vanguard), 90/10 Aktien/Anleihen | dauerhaft ohne Produktkosten |
| Scalable Capital | 2 ETFs, Namen offen | bis Ende 2027 erlassen, danach max. 0,15 % |
| Smartbroker+ | MSCI World, MSCI ACWI oder FTSE All-World | 3 Jahre erstattet |
| quirion | 2 Vanguard-ETFs | 0,07 / 0,08 %, mindestens 1 Jahr erstattet |
| finanzen.net zero | ETF300 (Amundi MSCI World) empfohlen | offen |
| flatex | Standarddepot Core, Namen offen | 5 Jahre erstattet, danach max. 0,07 % |
| Union Investment | Welt-ETF und Renten-ETF | 0,55 % gesamt (laut Presse) |
Freies Depot oder Standarddepot?
Beide Varianten dürfen dieselben ETFs enthalten, der Unterschied liegt in Auswahl, Umschichtung und Kostendeckel. Das Standarddepot nimmt dir die Entscheidung ab und senkt das Risiko vor der Rente automatisch. Das freie Depot lässt dich den ETF selbst bestimmen und bis zum Schluss voll investiert bleiben.
dann passt das Standarddepot: zwei ETFs, automatische Umschichtung, Kostendeckel von 1,0 Prozent.
dann brauchst du das freie Depot. Achte auf die Produktkosten und darauf, ob der Anbieter sie für deinen ETF erstattet.
dann ist das freie Depot die einzige Variante ohne Umschichtungspflicht. Das Risiko kurz vor der Auszahlung trägst du dann selbst.
dann gehören die in ein normales Depot. Das Altersvorsorgedepot bleibt den Fonds vorbehalten.
Häufige Fragen
Welche ETFs dürfen ins Altersvorsorgedepot?
Alle ETFs und Fonds nach OGAW-Regeln bis zur Risikoklasse 5 von 7, außerdem offene Publikums-AIF, ELTIF und Euro-Anleihen von Staaten und EU-Institutionen. Ob ein konkreter ETF bei deinem Anbieter besparbar ist, hängt zusätzlich von dessen Auswahl ab.
Darf ich einen MSCI World oder FTSE All-World besparen?
Breit gestreute Welt-ETFs sind OGAW-Fonds und liegen nach den Basisinformationsblättern der Anbieter in der Regel unterhalb der Risikoklasse 6. Damit erfüllen sie die Positivliste. Mehrere Anbieter haben genau solche ETFs für ihre Standarddepots angekündigt.
Ausschüttend oder thesaurierend: Was ist im Altersvorsorgedepot besser?
Das spielt keine Rolle. In der Ansparphase fallen weder Abgeltungsteuer noch Vorabpauschale an, der übliche Steuergrund für die Wahl entfällt also. Ausschüttungen bleiben im Depot und werden wieder angelegt, weil das Geld bis zur Auszahlungsphase gebunden ist.
Wie viele ETFs brauche ich?
Im Standarddepot sind es genau zwei, die der Anbieter festlegt. Im freien Depot reicht für die meisten ein einziger breit gestreuter Welt-ETF. Mehrere ETFs auf dieselben Märkte bringen keine zusätzliche Streuung, nur mehr Aufwand.
Was bedeutet Risikoklasse 5?
Die Risikoklasse (SRI) steht im Basisinformationsblatt jedes Fonds und reicht von 1 (sehr niedrig) bis 7 (sehr hoch). Sie misst vor allem die Schwankungsbreite. Fonds der Klassen 6 und 7, zum Beispiel gehebelte ETFs, sind im Altersvorsorgedepot ausgeschlossen.
Kann ich den ETF später wechseln?
Innerhalb des freien Depots ja, eine Umschichtung ist keine Auszahlung und bleibt förderunschädlich. Je nach Anbieter fallen dabei Orderkosten an. Im Standarddepot legt der Anbieter die beiden ETFs fest und schichtet vor der Rente selbst um.
Darf ich Einzelaktien ins Altersvorsorgedepot legen?
Nein. Einzelaktien, Zertifikate, Kryptowährungen und Hebelprodukte stehen nicht auf der Positivliste. Wer einzelne Aktien halten will, braucht dafür ein normales Depot ohne Förderung.