Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan?

Beide legen in dieselben ETFs an. Das eine bringt Zulagen und Steuerstundung, das andere Flexibilität. Für die meisten ist die Antwort keine Entweder-oder-Frage, sondern eine Aufteilung: die geförderten 150 Euro ins Altersvorsorgedepot, der Rest frei. Der Rechner zeigt, wie viel das ausmacht.

Lesezeit etwa 7 MinutenKeine Anlageberatung

Die kurze Antwort

Zahl in das Altersvorsorgedepot so viel ein, wie gefördert wird: 150 Euro im Monat für die volle Grundzulage, 25 Euro je Kind für die Kinderzulage. Alles darüber gehört in den freien ETF-Sparplan, weil es dort keine Förderung mehr gäbe, aber Flexibilität verloren ginge. Ausnahmen: Wer das Geld vor 65 brauchen könnte, spart weniger gefördert. Wer kurz vor der Rente steht oder im Alter einen hohen Steuersatz erwartet, rechnet nach.

Aufteilungsrechner

Vergleicht drei Varianten nach Steuern: alles frei, alles gefördert und die Kombination bis zur Fördergrenze.

Wie viel ins geförderte, wie viel ins freie Depot?

Grenzsteuersatz daraus: –

Beste Variante nach Steuern (– Jahre)

–

–

  • Kombination: – ins Altersvorsorgedepot, – frei–
  • Alles in den freien ETF-Sparplan–
  • Alles ins Altersvorsorgedepot–

In der Kombination bekommst du – Zulagen und etwa – Steuervorteil pro Jahr.

Annahmen und Rechenweg
  • Die Kombination füllt das Altersvorsorgedepot bis zu dem Eigenbeitrag, für den es Zulagen gibt, und legt den Rest frei an. Die Steuererstattung fließt jedes Jahr in den freien Sparplan.
  • Altersvorsorgedepot: Auszahlung mit deinem Steuersatz im Ruhestand besteuert. Freier Sparplan: Gewinne mit 26,375 % Abgeltungsteuer nach 30 % Teilfreistellung, ohne Sparerpauschbetrag und Vorabpauschale.
  • Nicht eingerechnet: Flexibilität. Das freie Depot ist jederzeit verfügbar, das Altersvorsorgedepot erst ab 65.

Die Unterschiede im Überblick

AltersvorsorgedepotFreier ETF-Sparplan
Zulagenbis 540 € Grundzulage, 300 € je Kind, 200 € Einsteigerbonuskeine
Steuer beim Sparenkeine Abgeltungsteuer, keine Vorabpauschale; SonderausgabenabzugAbgeltungsteuer auf Gewinne und Vorabpauschale, Sparerpauschbetrag 1.000 €
Steuer bei Auszahlungvoll mit persönlichem Steuersatzkeine weitere, Gewinne sind bereits versteuert
Verfügbarab 65, bis 30 % als Teilkapital, Rest als Rente oder Auszahlplanjederzeit
AnlagenFonds und ETFs der Positivliste, keine Einzelaktienalles: ETFs, Aktien, Anleihen, Krypto
Kosten0 € Depot bei Neobrokern, ETF-Kosten teils erstattet; Standarddepot max. 1 %0 € Depot bei Neobrokern, ETF-Kosten 0,1 bis 0,3 %
SchutzPfändungsschutz, kein Anrechnen beim Bürgergeld in der Ansparphasekein besonderer Schutz
Garantiekeine (Garantieprodukte separat erhältlich)keine

Warum die Förderung so viel wiegt

Angenommen, du legst 150 Euro im Monat 30 Jahre lang mit 6 Prozent Rendite vor 0,3 Prozent Kosten an. Im freien Depot sind das am Ende rund 138.000 Euro vor Steuern. Im Altersvorsorgedepot kommen jedes Jahr 540 Euro Zulage dazu, die mitwachsen: rund 179.000 Euro vor Steuern. Nach Steuern schrumpft der Abstand, weil die Auszahlung aus dem Altersvorsorgedepot voll besteuert wird. Mit 20 Prozent Steuersatz im Alter bleiben etwa 143.000 Euro gegenüber rund 123.000 Euro im freien Depot nach Abgeltungsteuer.

Mit Kindern wird der Abstand größer, weil die Kinderzulage ohne höheren Eigenbeitrag dazukommt. Mit kurzer Laufzeit wird er kleiner, bis er sich umkehrt. Deshalb rechnet der Rechner oben mit deinen Zahlen und nicht mit Durchschnitten.

Wann was passt

Du sparst bis 150 Euro im Monat und brauchst das Geld nicht vor 65

Alles ins Altersvorsorgedepot. Jeder Euro ist gefördert, die Steuerstundung arbeitet für dich.

Du sparst mehr als 150 Euro im Monat

150 Euro gefördert, der Rest frei. Mit Kindern lohnt sich auch ein Vertrag des Partners mit 25 Euro für die Kinderzulage, wenn beide förderberechtigt sind.

Du könntest das Geld in den nächsten zehn Jahren brauchen

Nur so viel gefördert sparen, wie du sicher bis 65 liegen lassen kannst, im Zweifel 30 Euro im Monat für 180 Euro Zulage. Der Rest frei.

Du bist über 55 oder erwartest im Alter einen hohen Steuersatz

Rechner nutzen. Bei kurzer Laufzeit und 30 Prozent Steuersatz im Alter kann der freie Sparplan nach Steuern vorn liegen.

Du willst Einzelaktien halten

Dafür braucht es das freie Depot, denn Einzelaktien stehen nicht auf der Positivliste. ETFs ins geförderte Depot, Aktien ins freie.

Häufige Fragen

Was ist der wichtigste Unterschied?

Verfügbarkeit. Der freie ETF-Sparplan ist jederzeit verkäuflich, das Altersvorsorgedepot erst ab 65. Dafür zahlt der Staat ins Altersvorsorgedepot Zulagen und lässt die Erträge bis zur Auszahlung steuerfrei wachsen. Es ist ein Tausch von Flexibilität gegen Förderung.

Wie werden beide besteuert?

Im freien Depot zahlst du Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Soli auf Gewinne, bei Aktienfonds nach 30 Prozent Teilfreistellung, also effektiv rund 18,5 Prozent, abzüglich Sparerpauschbetrag. Im Altersvorsorgedepot fallen in der Ansparphase keine Steuern an, die Auszahlung wird dafür voll mit deinem Einkommensteuersatz im Alter besteuert.

Warum gewinnt die Kombination so oft?

Weil die Förderung bei 1.800 Euro Eigenbeitrag endet. Bis dahin ist jeder Euro im Altersvorsorgedepot mit 25 bis 50 Prozent bezuschusst, danach nicht mehr. Wer mehr spart, legt den Rest frei an und behält dort die Flexibilität. Die ersten 150 Euro gefördert, alles darüber frei.

Wann gewinnt der freie Sparplan?

Bei kurzer Laufzeit, hohem Einkommen ohne Kinder und einem hohen Steuersatz im Alter. Dann wiegt die volle Besteuerung der Auszahlung schwerer als Zulage und Steuerstundung. Und immer dann, wenn du das Geld vor 65 brauchen könntest.

Darf ich im Altersvorsorgedepot dieselben ETFs besparen wie im freien Depot?

Fast. Breit gestreute Aktien-ETFs stehen auf der Positivliste, solange sie höchstens Risikoklasse 5 haben. Einzelaktien, Krypto und Hebelprodukte sind ausgeschlossen. Wer Einzelaktien hält, braucht dafür ohnehin das freie Depot.

Soll ich meinen bestehenden ETF-Sparplan ins Altersvorsorgedepot umschichten?

Verkaufen und neu einzahlen bringt nichts, weil nur Eigenbeiträge bis 1.800 Euro im Jahr gefördert werden und der Verkauf Abgeltungsteuer auslöst. Sinnvoller: den bestehenden Sparplan laufen lassen und die Rate ab 2027 aufteilen.